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Trost durch ‚geistiges Brot und Wein‘

Raw Chaim Grünfeld.

 

Gleich nach dem traurigen Ereignis mit den „Meraglim“, durch deren Fehlverhalten der Klall Jisrael 40 Jahre in der Wüste bleiben musste, gibt uns die Tora die Mizwot der „Nessachim“ (Gussopfer [1]) und die Mizwa von „Chala“.

Chasal streiten sich darüber, ob die Nessachim bereits in der Wüste dargebracht wurden [2]. Interessant ist die Ansicht, die im Midrasch zitiert wird: Man stellte den Wein für die Nessachim aus der riesigen, von den Meraglim mitgebrachten Weinrebe her [3]. Raw Chajim Kanjewski schlit“a erklärte damit den Zusammenhang zwischen der aufeinanderfolgenden Mizwa der Nessachim und der Parscha der Meraglim [4].

Dennoch bleibt die Frage über den Zusammenhang der Mizwat Chala und der tragischen Ereignissen der Meraglim offen.

Ebenso muss nach der gegenteiligen Ansicht, dass die beiden Mizwot von ‚Nessachim und Chala‘ erst nach dem Einzug in Erez Jisrael Gültigkeit erlangten und in der Wüste nicht ausgeführt wurde, erklärt werden, weshalb Jisrael gerade jetzt, nach der Geschichte mit den Meraglim, darüber befohlen wurde?

Eine Antwort darauf finden wir in den Worten von Chasal zum Passuk (Bamidbar 14,39): „Und das Volk trauerte sehr“: Hkb“H sprach zu Mosche: „Geh und tröste diese Armen!“ Als Ihn Mosche fragte, womit er sie denn trösten solle, antwortete Hkb“H: „Mit den Worten der Tora sollst du sie trösten“. Darauf gab ihm Hkb“H die Mizwot der Nesachim und von Chala [5].

Wir der Be’er Mosche zu verstehen gibt, bestand die Sünde der Bne Jisrael hauptsächlich darin, dass sie mit ihrer Weigerung nach Erez Jisrael zu gehen, das heilige Land verschmäht hatten. Diese Beleidigung konnte nur dadurch wieder gutgemacht werden, indem sie das Land zu lieben und schätzen lernten. Die Liebe zu diesem Land erreichten sie durch das Lernen der „Mizwot hatelujot ba’Aretz“, mit dem sich Befassen und Erlernen der Mizwot, die nur in Erez Jisrael aktuell sind.

Dieser ‚Tikun‘ (Wiedergutmachung) bestand daher aus zwei Teilen: Einerseits sollte so die fehlende Wertschätzung des Landes korrigiert werden. Zudem galt das Lernen dieser Mizwot als Ersatz für ihre Ausführung, genauso wie heutzutage das Lernen der ‚Parschat haKorbanot‘ ihre Darbringung ersetzt. Da das Volk noch nicht nach Erez Jisrael ziehen konnte, fehlte jetzt die effektive Ausführung dieser Mizwot und musste unbedingt durch das Lernen ergänzt werden.

Die Tora und ihre Mizwot sind der beste Trost für jegliches menschliches Leid. So sagt auch Dawid haMelech (Tehilim 19,8): „Torat Haschem temima meschiwat Nefesch – Die Lehre von Haschem ist vollkommen, sie erquickt die Seele“. Durch die Kraft der Tora kehrt der Mensch zu sich selber zurück [6].

Der trauernde und unglückliche Mensch kann das ihm zugestossene Leid anfangs nur schwer vergessen und lässt sich daher nur schwer trösten. Er kann den Trost der meisten Menschen gar nicht akzeptieren, weil er der Ansicht ist, dass sie sein Leid gar nicht begreifen und verstehen, solange sie sein Leid nicht teilen und wie er empfinden. Sobald man aber von einem Leidgenossen getröstet wird, von einer Person, von der man überzeugt ist, dass sie seinen Schmerz versteht und die echte Anteilnahme an sein Leid zeigt, so müssen nicht einmal viele tröstende Worte gewechselt werden, um den Trauernden frische Kraft und Trost zu spenden.

Der Einzige, der wirklich das Leid und Unglück jedes Menschen versteht und mit ihm fühlt, ist G‘tt. Seinen Trost und Sein Mitgefühl hat Er bereits für alle Generationen in der Tora niedergeschrieben. Wer sich daher mit der Tora beschäftigt und sich ihren Mizwot befasst, findet in ihr Trost und schöpft aus ihr frische Kräfte.

Im Midrasch drücken es Chasal auf ähnliche Weise, anhand den Worten von Schlomo haMelech, aus (Kohelet 9,7): „Geh, iss mit Freuden dein Brot und trinke frohen Herzens deinen Wein, denn längst hat G’tt deine Handlungen mit Wohlgefallen aufgenommen (verziehen)“. – Mit Brot ist die Mizwa von Chala gemeint, und mit Wein die Mizwa der Nessachim. G’tt gefällt deine Taten verziehen, damit ist der Eintritt nach Erez Jisrael gemeint“ [7].

Genau so wie der physische Körper sich durch Speise und Trank ernährt, gilt das Essen und Trinken im ‚Sefer Kohelet‘ als Symbol für die geistige Ernährung der Seele durch „Tora, Mizwot und Ma’assim Towim“ [8]. Hkb“H gibt dem Klall Jisrael nach der Sünde der Meraglim zu verstehen, dass es sich nur durch die Beschäftigung mit der Tora und Mizwot trösten kann. Er gab ihnen daher die Mizwot von ‚Chala und den Nessachim‘, um damit ein Zeichen zu setzen: Wie ein Trauernder um einen Toten mit Brot und Wein getröstet wird [9], kann derjenige, der sich intensiv und lustvoll mit der Tora und ihre Mizwot beschäftigt und versucht sich am „geistigen Brot und Wein“ zu erfreuen, am Ende tatsächlich von der Freude ergriffen werden und wieder frohen Herzens sein. Dies wird ihnen dann die g’ttliche Verzeihung ihrer Sünde einbringen, so dass Er sie wieder nach Erez Jisroel zurückbringen wird.

Der Rebbe von Isbiza sZl. drückte diesen Trost durch die Nessachim und die Mizwa von Challa, in einer etwas humoristischen Weise aus, und sagte: „Wie muntert man einen traurigen Jid auf? Mit a Glesel „leChajim“ in a Stickel Lekech!“ [10] [Mit einem Gläs’chen Schnaps und einem Stück Kuchen].

 

    [1] Wein, dass nach der Darbringung eines Opfers auf den ‚Misbeach‘ (Altar) gegossen wurde.

    [2] Siehe Sifri zur Stelle und Kiduschin 37b

    [3] Schir haSchirim Rabba 4,3

    [4] Ta’ama deKra P. Schlach

    [5] Tana debe Elijahu Rabba Kap.29

    [6] Be’er Mosche (Userov) P. Schlach 23

    [7] Midrasch Bamidbar Rabba 17,2

    [8] Perusch Maharsa“w zu Midrasch ibid.

    [9] Die Nachbarn servieren dem Trauernden nach dem Begräbnis eine Mahlzeit, um ihn damit zu trösten (Or Sarua Bd2/430 und Lewusch J“D 378,1). Des Weiteren wird  der Trauernde mit Wein getröstet, der eigens dafür von G’tt erschaffen wurde (Ketuwot 8b gemäss Mischle 31,6).

    [10] Sefer Dor Jescharim (Isbiza-Radzin) S.40