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Was bezweckten Balak und Bil’am mit ihren Korbanot?

Raw Chaim Grünfeld.

Vor jedem Versuch von Bil‘am haRascha, die Bne Jisrael zu verfluchen, liess Bil’am von Balak sieben Misbechot (Altare) errichten und Korbanot darbringen. Gemäss Raschi, wollte er damit den sieben Misbechot der „Awot haKedoschim“ (heiligen drei Väter) entgegentreten [1].

Der Ramban erklärt, dass Bil’am damit das Einverständnis von Haschem für seine „Klala“ (Fluch) erreichen wollte, obwohl Hkb“H ihm bereits ausdrücklich gesagt hatte (22,12): „Geh nicht mit ihnen, denn du wirst das Volk nicht verfluchen, da es gesegnet ist!“ Was also glaubte Bil’am mit den Korbanot ausrichten zu können? Er wusste doch sicher, dass man G‘tt nicht manipulieren kann, wie der Nawi sagt (Mal’achi 3,6) „Ani Haschem lo schaniti – ICH ändere mich nicht!“

Was ist der Sinn der Tefila?

In den Sefarim haKedoschim wird der Sinn der Tefila so erklärt, dass diese zwar keine Änderung und Sinneswandel bei Hkb“H bewirkt, jedoch eine Änderung im Menschen selbst. Hat der Mensch zuerst das von ihm Gewünschte nicht erhalten, weil er dafür nicht würdig war, kann er sich mit der Kraft der Tefila innerlich so ändern, dass er auf einer anderen geistigen Stufe aufsteigt und dann das Gewünschte erhält. Eine solche Änderung ist jedoch nur dann möglich, wenn der Mensch seine Unwürdigkeit vor G’tt einsieht, und sich zu ändern versucht.

Demgemäss wird das Wort „Tefila“ so intrepretiert, dass es vom Ausdruck (Ijow 6,6) „תפל – nebensächlich/abhängig“ abgeleitet ist; denn der Mensch muss sich beim Gebet G’tt völlig untergeben.

So versteht man sehr gut den Zusammenhang zwischen der Tefila und dem Darbringen eines Korban, wie Chasal sagen:  „Tefila beMakom Korbanot omdim“ [2], dass die Tefila anstelle der Korbanot steht. Denn die Tefila besitzt den selben Sinn wie das Korban: Sich Hkb“H zu nähern und sich Ihm wie das geschlachtete Tier völlig hinzugeben.

Von Bil’am jedoch sagen Chasal [3], dass er von „Ruach Gewoha“, vom Stolz besessen war. Er beabsichtigte daher ganz sicher nicht, mit dem Darbringen der Korbanot eine innerliche Änderung vorzunehmen, damit Hkb“H ihm seine Wünsche erfülle. Deshalb bleibt die Frage offen, was bezweckte Bil’am mit diesen Korbanot?

Aber auch die Absicht von Balak muss hinterfragt werden. Was bezweckte der König von Moaw mit seiner Beteiligung an diesen 42 Korbanot? Immerhin bestätigen Chasal, dass Balak mit diesen Darbringungen keinen Götzendienst im Sinne hatte, und deshalb später eine Belohnung für diese Korbanot erhielt! [4]

Raschi zitiert den Midrasch, wonach ‚Moaw‘ bei ‚Midjan‘ um Rat fragte, woher der einst in Midjan wohnhafte Mosche seine Kraft hernimmt und welche besondere Eigenschaft er hat. Als die Leute von Midjan ihnen antworteten, dass „En Kocho ela beFiw“, seine Kraft nur in seinem Mund – die Tefila – besteht, wandte sich Moaw an Bil’am, der ebenfalls einen „kraftvollen Mund“ besass und andere verfluchen konnte [5].

In diesem Sinn wird in den Sefarim haKedoschim auch der Passuk (Dewarim 34,10) „welo jakum od Nawi beJisrael keMosche – nie stand wieder ein Nawi in Jisrael auf so wie Mosche“ gedeutet, den Chasal bekanntlich so erklären: „In Jisrael nicht, aber zwischen den Umot haOlam gab es Bil’am“ [6].

Wie kann man einen Vergleich zwischen den heiligen Mosche Rabenu und dem unreinen Bil’am ziehen?

Der Vergleich zwischen dem Zadik Mosche und dem Rascha Bil’am bezieht sich „nur“ auf die Kraft ihres Mundes, die vergleichbar  war. Bei Mosche jedoch ist die Rede von der Tefila, also im „Koach haKeduscha“, während sich Bil’ams Kraft auf das Verfluchen, also auf den gegenteiligen „Koach haTumah“ bezieht.

Hkb“H hatte aber dem Bil’am das Fluchen von Jisrael verboten; er durfte nur das sagen, was Hachem ihm in den Mund legte. Bil’am griff daher zu einer List und versuchte, den Klall Jisrael – statt mit dem Mund – mit den der Tefila gleichstehenden Korbanot zu besiegen. Statt seinen Fluch in Worte zu fassen, kleidete ihn Bil’am in 42 Korbanot und liess ihn auf diesem Weg „aufsteigen“. Auf diese Weise versuchte er, bis zur Wurzel des Klall Jisrael, den „Awot haKedoschim“ vorzudringen. Er errichtete daher genauso viele Misbechot wie sie, damit ihre Tefilot ihre Nachkommen nicht mehr  beschützen konnten.

Obwohl der Fluch von Bil‘am vom gesamten Volk abgewendet wurde, blieb er dennoch in einer gewissen Form bestehen und schadete später Jisrael. So lehren Chasal, dass der, durch den Fluch von ‚Elischa haNawi‘ bewirkte Tod der 42 Kinder in Jericho, die von Bären erschlagen wurden, weil sie ihn verspottet haben, durch den alten Fluch von Bil’am in Kraft trat [7].

Es scheint jedoch, dass „Balak“ von alldem nichts wusste. Wie aus dem Passuk ersichtlich ist, befahl ihn Bil’am einfach (23,1) „Baue mir die sieben Misbechot“, ohne eine Erklärung dafür abzugeben, was genau er damit bezweckte. Balak nahm daher an, dass Bil’am richtige Korbanot zu Hkb“H – dem G’tt Jisraels – darbringe, um Ihn milde zu stimmen. Er als Götzendiener war nämlich gewohnt, das man gewisse Kräfte umstimmen und umleiten konnte, so wie es der heidnische Götzenkult und die Anbetung der Himmelskörper lehrte. Folglich brachte er im Gegensatz zu Bil’am echte Korbanot an Hkb“H dar, die zwar nicht ganz „liSchma“ (zugunsten des Himmels) waren, weil er sie nicht mit der richtigen Kawana darbrachte. Schliesslich beansichtigte er nicht sich zu ändern und G’tt näher zu kommen. Aber er glaubte immerhin, Hkb“H damit umzustimmen und ‚kibejachol‘ (sozusagen) zu sich herabziehen zu können.

Deshalb lernen Chasal von Balaks Korbanot-Drabringung folgende Regel: „Ein Mensch soll sich immer mit Tora und Mizwot befassen, selbst wenn dies „schelo liSchma“ geschieht, denn von der Stufe von „schelo liSchma“ kommt man später zur Stufe von „liSchma“. So wurde auch Balak mit der Darbringung seiner 42 Korbanot – obwohl diese schelo liSchma waren – mit der Geburt von „Ruth haMoawija“ belohnt, von der ‚Schlomo haMelech‘ abstammte, der 1000 Korbanot – liSchma – darbrachte“!

Die ‚Mida keneged Mida‘ ist also darin zu finden, dass die von Balak als „schelo liSchma“ begonnene Tat der Korbanot-Darbringung zu Hkb“H, schliesslich zu echten Korbanot „liSchma“, führte, die mit der richtigen Kawana – G’tt näher zu kommen – dargebracht wurden. Das geschah durch Schlomo haMelech, der später das aussschliesslich für diesen Zweck errichtete Bet haMikdasch aufbaute.

 

    [1] Raschi 23,3

    [2] Berachot 26a

    [3] Awot 5,22

    [4] Sota 47a

    [5] Raschi 22,4 gemäss Midrasch Tanchuma 3

    [6] Sifri zur Stelle

    [7] Sota ibid.