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Foto Zwi Pogil

JAHADUS Hilfswerk Zürich & Bejs Hamidasch Stuttgart

 

„Schabbat Lern-Seminar“ zum Sijum des Gemara-Schiurs von Rav Grünfeld schlit“a im Schwarzwald

 

Tief im Schwarzwald fand sich ein Jid, der hatte dort ein Gasthaus. Wen beherbergte er nicht dort? Aus aller Herren Länder kamen Menschen zu ihm, um den tiefen Schwarzwald zu erleben.

Doch nie hätte er sich gedacht, dass eines Tages eine ganze Herde Jehudim sich bei Ihm einfänden, sein kleines, feines Gasthaus in ein von Leben strahlendes Beis Medresch zu transformieren. Der Hirt dieser Herde heisst Rav Grünfeld, wie passend doch zum Schwarzwald. Eine jüdisch grüne Lichtung im Schwarzwald des Golus…

Nach langer Fahrt ( oj wej, das Navi hatte sich so getäuscht..) fand sich des Schreiberlings Familie doch noch am Orte des Geschehens ein, um festzustellen, dass ein deutsches Gasthaus von einem russisch gebürtigen Israeli geführt sich schon auf Jüdische Zeit eingestellt hatte: Alles bestens geplant, verknüpft mit viel Improvisation, begann endlich das Seminar.

Die Stimmung war von Anfang an herzlich, familiär, und offen für die notwendige Flexibilität in der Zeitplanung. Nachdem sich alle eingefunden hatten, pendelte sich das Geschehen schnell ein, und es lag ein wunderbarer Schabbes-Geist auf der kleinen Gemeinschaft. (Schabbes-Geist, Schabbes-Geist… gibts denn Geister dort im Schwarzwald?)

Noch vor Minche/ Kabbalos Schabbos wurde der erste Schiur gehalten, zum Thema der Parschat Haschawua „Weshalb wollten die ‚Meraglim‘ nicht nach Erez Jisroel?“, während die Baale Buste des Seminars und die Frauen des Hauses mit Unterstützung des Inhabers und Gastgebers die Se’udas Schabbes vorbereiteten. Die Schiurim von Rav Grünfeld waren aufs Beste vorbereitet und erleuchteten von Anfang bis Schluss den ganzen Ort. Wir lernten mit Freuden, und man merkte sehr gut, dass diese Gruppe schon viele Jahre (genauer gesagt, 10 Jahre) miteinander verbunden ist. Nur, was ist diese Gruppe denn?

Der Ankommende Schreiberling meinte zuerst, alle Teilnehmer seien in Stuttgart beheimatet, um dann freudig erstaunt festzustellen, dass diese Jiden aus ganz Deutschland und noch etwas weiter per Skype zusammenkommen, um mehrmals die Woche mit Rav Grünfeld zu lernen. Und nicht nur das, er weilt auch einige Male im Jahr in Stuttgart, um die kleine, feine Gemeinde dort zu stärken und ihnen bei allen Fragen der Jüdischkeit beizustehen. Welch grosse Tat!

Einsame Jiden von Kassel, Bonn, Frankfurt, Ansbach, Karslruhe, Hannover, Düsseldorf, Herborn (Hessen) etc. teilweise sehr isoliert an ihren Orten, finden einen Anker der Jüdischkeit bei Rav Grünfeld, der sich liebevoll ihren Fragen annimmt. Und so sehen wir, dass auch heute die Toire unser wahres Heim ist, und der physische Ort des Geschehens zwar lebenswichtig, aber überhaupt nicht wichtig ist.

Die Schiurim waren der Dreh- und Angelpunkt des Geschehens, harmonisch eingebettet in das durch die Frauen liebevoll gestaltete Heim, mit wunderbar zubereiteten und präsentierten Speisen, Pausen, und kleinen Ausflügen in die nahe und sehr schöne Umgebung. Die Organisatoren Herr und Frau Lokshin hatten alles minuziös geplant, und das Wochenende lief ab wie eine schweizerisches Uhrwerk.

Es ist auch zu erwähnen die liebevolle und kompetente Kinderbetreuung durch Frl. Dana Elias. Die Kinder hingen den ganzen Schabbos an ihr wie die Kletten, und ihre Eltern begannen schon, sich nach ihnen zu sehnen, so ruhig und ungestört flossen der Schabbos und die Schiurim dahin Auch die Bochrim, die fleissig mithalfen, beim Vordawenen, Leinen und den Semirois etc., schienen das Wochenende und die Schiurim sehr zu geniessen.

Die Gemara-Gruppe traf sich bereits eine Stunde vor Schacharis, sie mussten noch ein Stück fertiglernen, sonst würde kein Sijum stattfinden… Am Schabbesnachmittag gab es dann einen interessanten anderthalb stündigen Gemara-Schiur zum Thema des 15. Aw, mit diesem wurde die gelernte Massechet Ta’anit abgeschlossen.

Danach folgte eine Einleitung  „zur Geschichte und Bedeutung des zweiten Bet Hamikdasch“. Das passte zum Abschluss der gelernten Gemara, die sich am Ende mit der Thematik der „drei Wochen und des Churban Habajit“ auseinandersetzt, und zudem fand das Seminar am „Schabbat Meworchim Tamus“ statt. Da ist es richtig sich mit dem „Bet Hamikdasch“ zu beschäftigen. Am Moze Schabbes und Sonntagmorgen wurde von Rav Grünfeld eine sehr eindrückliche Dia-Show präsentiert, anhand dessen er die Bauweise und Funktion des Bet Hamikdasch ausführlich erläuterte. Ja, man fühlte sich dabei wirklich in eine andere Zeit und an einem anderen, heiligen Ort versetzt.

Am Schabbat vor Mincha hörten wir noch eine spannende Geschichte über „das Geheimnis um das verschwundene Gold von Borscha“. Danach durften wir zusammen den Code einer alten ‚Kamea’ vom Zadik Rabbi Mendele von Riminov sZl. entschlüsseln.

Ein weiterer Höhepunkt dieses Schabbat war, das wir die Möglichkeit hatten, Schewa Broches abzuhalten für Familie Dan Bresovski, die am Donnerstag davor von Rav Snyders schlit“o in Basel jüdisch verheiratet wurden. So erfolgte nach jeder Se’uda ein lebhafter Tanz mit dem Chosson, die unsere freudige Stimmung um ein weiteres Mass erhob.

Am Sonntag erfolgte beim Frühstück, der eigentliche Zweck des Seminars – der Sijum und die Se’udat Mizwa. In der anschliessenden Drascha appelierte Rav Grünfeld an das vermehrte Toirolernen. Tatsächlich darf sich die Gemara-Gruppe bereits einiger Neueinsteiger erfreuen!

Jeder Schiur beleuchtete sein Thema aus einer tief im Geist unserer Tradition verwurzelten Sichtweise. Wir lernten die verschiedenen Sichtweisen unserer Rabbonim auf das Geschehen rund um die Meraglim kennen,  wie die Tradition der Tänze der Jungfrauen in den Weinbergen entstanden war; und ganz speziell zu erwähnen ist die wirklich beeindruckende Darstellung der  Batei Hamikdasch, die das Geschehen plastisch zum Leben erweckte. So sehr, dass wir nun ein klein wenig mehr Vorstellung davon haben, warum wir am ‚Tischa be Av‘ so trauern, und wie wir uns freuen werden, wenn das 3. Bet Hamikdasch schon bald zum Leben und Wirken kommen wird, bimhera bejamenu amen.
 

Yochanan Zweig & weitere glückliche Seminar-Teilnehmer